empfaenger verzogen

Empfaenger verzogen erzählt die Geschichte einer dreiköpfigen Familie und der Kalamitäten in ihrem gemeinsamen Lebensraum. In dem philiströsen Wohnzimmer versucht das Ehepaar vehement ihre gesellschaftliche Stellung aufrecht zu erhalten. Der Sohn, der sich seit einiger Zeit immer mehr isoliert, stellt das zu versteckende „Problem“ des Haushaltes dar, hält jedoch gleichzeitig auch als Ventil für die problematische familiäre Konstellation her. Das Auftreten des Rezipienten führt zu einer ad absurdum gesteigerten theatralen Atmosphäre. Es entwickelt sich eine spannungsgeladene metaphysische Realität, die indirekt immer wieder auf die reale Welt, ihre missliche Lage und Fehlkommunikationen Bezug nimmt.

In Empfaenger Verzogen funktioniert die Fiktion als dokumentarische Methode. Zitate und Beschreibungen aus diversen Artikeln wurden räumlich und dramaturgisch übersetzt. Ein führendes Beispiel ist der Artikel “Angst: Einsiedler im Kinderzimmer” des SpiegelOnline von 2006, in dem der Besuch der Cousine wie folgt beschrieben wird: “[...]Im Süden Deutschlands lebt eine Familie mit einem Geheimnis. Ihre Wohnung ist groß
und hell, gehalten in sanften Orangetönen, mit blauen Sofas und Sesseln. Warme Sommerluft bläht die Gardinen. Alle Türen stehen offen. Bis auf eine, hinter der lebt Marie. Seit 22 Jahren kommt sie nur noch aus ihrem Zimmer, wenn es unbedingt sein muss.[...]”* In einem weiteren Artikel wird der Grund für das (jap.) Phänomen Hikikomori in der Förderung ungesunden Perfektionismus, aber auch in der Bildung zweier verschiedener Persönlichkeiten gesehen: “Der Fassade nach außen, die 99% aller Menschen gezeigt wird,
und der echten Persönlichkeit und echten Gefühle, die nur die engsten Vertrauten zu Gesicht
bekommen[...]”
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http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/angst-einsiedler-im-kinderzimmer-a-430843.html

immersive experience, 2016

 

Konzept: Maren Demant, Winnie Christiansen

Regie: Winnie Christiansen

künstlerische Produktionsleitung: Winnie Christiansen
technische Produktionsleitung: Maren Demant
Dramaturgie: Corinna Duemler

Bühnenbild: Barbara Lenartz, Winnie Christiansen

Kostüm: Barbara Lenartz

Sounddesign: Roman Schönbichler